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KUNIBERT FRITZ ASPEKTE MEINER KÜNSTLERISCHEN ENTWICKLUNG NACH DER FLUCHT AUS KÖNIGSBERG LANDETEN MEINE ELTERN UND ICH 1948 IN FRANKFURT AM MAIN. IM SELBEN JAHR NACH DER WÄHRUNGSREFORM BEKAM ICH AUF MEINEN WUNSCH HIN ALS ERSTES GESCHENK EINEN PELIKAN FARBKASTEN UND BUNTSTIFTE. DIE BENUTZTE ICH NICHT NUR IN DER SCHULE, SONDERN AUCH ZUHAUSE. MIT 15 JAHREN ENTDECKTE ICH IM FRANKFURTER AMERIKAHAUS EINE WÖCHENTLICH STATTFINDENDE MALSTUNDE, DIE VOM MALER BERNHARD SCHULZE GELEITET WURDE. AUF GROßEN BÖGEN PACKPAPIER KONNTEN WIR MIT PLAKAFARBE MALEN , WAS WIR WOLLTEN. ABER SCHULZE GAB AUCH AUFGABEN, ZUM BEISPIEL: „MALT MAL DAS KNARREN EINER TÜR.“ BERNHARD SCHULZE GEHÖRTE DAMALS DER GRUPPE „QUADRIGA“ IN FRANKFURT AN, DAZU ZÄHLTEN: HEINZ KREUZ, KARL OTTO GÖTZ UND GREIS. ER LUD MICH EINMAL EIN, SEIN ATELIER ZU BESUCHEN. DA WAR ALLES BEKLECKERT. SCHULZE MALTE AUF DEM BODEN UND SCHWÄRMTE VOM „DRIPPLING“ POLLOCKS. DURCH SEINE ANREGUNG GING ICH ZU AUSSTELLUNGEN. IN DER ZIMMERGALERIE FRANK, IN DER ER AUCH VERTRETEN WAR. DORT SAH ICH BILDER VON DUBUFFET UND ANDERN FRANZÖSISCHEN MALERN DER „ECOLE DE PARIS“. DAGEGEN ZEICHNETE ICH EINZELNE GEBÄUDE AUS FRANKFURT: ZUM BEISPIEL DEN DOM, DAS SALZHAUS, DIE NIKOLAIKIRCHE, DEN EISERNEN STEG. ICH SETZTE DIE GEBÄUDE ZU EINER STADTLANDSCHAFT ZUSAMMEN. ALS UNTERGRUND WÄHLTE ICH RECHENPAPIER. DAS WAR MEIN ANFANG QUADRATE ZU BENUTZEN. BEI DER BETEILIGUNG AM WETTBEWERB : SCHÜLER ZEICHNEN IHRE STADT, 1955 BESUCHTE ER MIT EINEM MITSCHÜLER UND MIR DIE ERSTE DOKUMENTA. ES WAR FÜR MICH EIN ÜBERWÄLTIGENDER EINDRUCK DIE ORIGINALE ZU SEHEN, DIE ICH TEILWEISE ALS ABBILDUNGEN KANNTE. WÄHREND DER DOKUMENTA 2 HALFEN WIR STUDENTEN BEIM AUFBAU UND GEHÖRTEN DANN ZUM AUFSICHTSPERSONAL, DENN GLEICH NACH DEM ABITUR 1958 HATTE ICH MICH ENTSCHIEDEN , NACH KASSEL AN DIE WERKAKADEMIE ZU GEHEN. DIE WERKAKADEMIE WAR DAMALS IHRER STRUKTUR NACH DEM BAUHAUS VERGLEICHBAR. ES GAB VORLEHRE, WERKLEHRE UND HAUPTLEHRE VON MEISTERN GELEITET. F. WINTER BEGANN IN SEINER „MALKLASSE“ AUCH WIEDER MIT „ÜBUNGEN“, BEI DEREN KORREKTUREN ER OFT SAGTE: „ES GIBT MILLIONEN MÖGLICHKEITEN.“ PARALLEL BESUCHTE ICH DIE TECHNIKWERKSTÄDTEN FÜR FOTOGRAFIE, LITHOGRAFIE, RADIERUNG UND SIEBDRUCK. DIE AUSEINANDERSETZUNG MIT DER KONSTRUKTIVEN KUNST FAND DAMALS REGELMÄßIG IN EINER GRUPPE VON CA. 10 – 12 STUDENTEN STATT, IN DER DIE EIGENEN ARBEITEN INTENSIVST BESPROCHEN WURDEN. MAN KÖNNTE DIE GRUPPE „KASSELER SCHULE“ NENNEN. DAZU GEHÖRTEN: HARTMUT BÖHM SCHREIBT DAZU: „AB MITTE DER 50ER JAHRE BIS ZUM BEGINN DER 60ER JAHRE IST EIN PHÄNOMEN ZU BEOBACHTEN, DAS MAN ALS EINEN RIGOROSEN, NEUEN KONSTRUKTIVISMUS BEZEICHNEN KÖNNTE. OHNE DIE DOMINANZ EINER BESTIMMTEN KLASSE ODER DEN EINFLUSS EINES BESTIMMTEN LEHRERS SIND ÜBER 2 STUDENTENGENERATIONEN SOWOHL IN DER MALEREI, ALS AUCH IN DER GRAFIK, ALS AUCH IN DER PLASTIK NEUE, SYSTEMATISCHE BILDSPRACHEN UND MATERIALUNTERSUCHUNGEN ENTWICKEKT WORDEN. FRÜHER UND RADIKALER ALS ANDERSWO IN EUROPA SIND DIE POSITIONEN EINER EXAKTEN ÄSTHETIK BESETZT WORDEN.“ NACH DEM ERSTEN STAATSEXAMEN 1963, DER REFERENDARZEIT UND DER 2TEN STAATSPRÜFUNG 1965 WURDE ICH KUNSTERZIEHER. DIE STRUKTUR MEINER BILDNERISCHEN ARBEITEN BESTEHT GRUNDSÄTZLICH AUS DEM AUFZEIGEN VON GEGENSÄTZEN, DIE ZUM AUSGLEICH KOMMEN SOLLEN. ALSO DAS, WAS MAN GLEICHGEWICHT BZW. EQUILIBRE NENNT. WAS DIE FORM BETRIFFT, BESCHRÄNKE ICH MICH AUF DEN GEGENSATZ VON SENKRECHT UND WAAGRECHT, Z.B. DER BEGRENZUNG DES QUADRATES. ZUR FARBGESTALTUNG VERWENDE ICH FARBKONTRASTE UND ABLÄUFE ZUNÄCHST GING ICH VON EINFACHEN TEILUNGSMÖGLICHKEITEN DER QUADRATFIGUR AUS. DANN ARBEITETE ICH MIT QUADRATRASTERN UND BILDSERIEN. EIN BILD IST ZWAR GLEICHZEITIG IN SEINER ERSCHEINUNG ALLER EINZELTEILE, ABER BEI BESTIMMTEN ANORDNUNGEN WÄHLT DAS AUGE TEILE AUS. (H. P. RIESE SCHREIBT ZU DIESEN ARBEITEN: „WIR KENNEN DAS PHÄNOMEN, DASS UNSER AUGE SICH BEI STRUKTUREN, DEREN ORDNUNGSSCHEMATA ENTWEDER EXTREM MONOTON ODER EXTREM KOMPLEX SIND, SO DASS SIE NICHT AUF DEN ERSTEN BLICK ÜBERSCHAUT WERDEN KÖNNEN, EIGENE ORDNUNGEN AUFBAUT, D.H. ES ENTSTEHEN FIKTIVE ORDNUNGEN. ... DIE ORDNUNGSSCHEMATA DER STRUKTUREN BEI K.F. SIND DARAUF ANGELEGT, DIESE REAKTION OPTIMAL ZU AKTIVIEREN.“) WAS MICH INTERESSIERT IST, DASS DER BLICK AUF EINEM BILD SICH SUCHEND BEWEGEN KANN UND NICHT AN EINER STELLE FESTGEHALTEN WIRD. DAS BEDEUTET FÜR MICH, DASS DIE RASTERTEILE GLEICHWERTIG UND GLEICH WICHTIG SIND, KEINE FIGUR- GRUND TEILUNG AUFTRITT, SONDERN BEWEGUNG. BEEINFLUßT HABEN MICH DABEI Z.B. CEZANNE : - ODER MONDRIAN MIT SEINEN BOOGIE-WOOGIE-BILDERN, ABBILD VON GLEICHWERTIGKEIT ALLER TEILE ALS AUSDRUCK FÜR DEMOKRATIE. - ODER DIE SCHRIFTEN VON KANDINSKY: MEINE WURZELN ALS KÜNSTLER KANN ICH BIS ZU HUNDERT JAHRE ZURÜCK ZUR „MODERNE“ VERFOLGEN. DAHER KÖNNTE ICH MICH ALS EINEN „KONSERVATIVEN“ BEZEICHNEN. FÜR MICH HAT DIE „MODERNE“ IMMER NOCH EINFLUß AUF MEIN LEBEN. ICH UMGEBE MICH NICHT NUR MIT KONSTRUKTIVEN BILDERN UND PLASTIKEN, SONDERN BIN AUCH EIN „DESIGN-FREAK“. ICH SITZE GERN IN EINEM „WASSILY“, EINEM „MIES“ ODER AUF STÜHLEN VON EAMES. VIELE MEINER MÖBEL UND GERÄTE SIND VON RAMS ENTWORFEN, ICH GEBRAUCHE WEIßES GESCHIRR UND BESTECK VON WAGENFELD. KUNIBERT FRITZ
HARTMUT BÖHM: EUGEN GOMRINGER: HANS PETER RIESE: |
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