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texte von:
hans peter riese
jürgen trabant
eugen gomringer
klaus staudt
peter staechelin
kunibert fritz
kunibert fritz entwicklung
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Zu den neuen Bildern von Kunibert Fritz
"Kunibert Fritz Bilder zeigen in der Wiederholung das Quadrat als Strukturelement
und als geometrische Urform. Sie erstreckt sich besonders auf die farbige
Behandlung der Fläche, auf den Ausdruck der inneren und äußeren Form,
auf die Progression innerhalb der strukturellen Zusammengehörigkeit ...
und auf die glänzende bis matte, transparente bis deckende Oberflächenwirkung
und auf das sichtbare bis unsichtbare Vorhandensein dieser Form... "In
den großen, farbig schönen Bildern wird das Quadrat als Phänomen des Mittelpunkts
angesprochen, als Zentrum bildnerischen Geschehens, als die Begegnung
von senkrecht und waagrecht, als Ausdruck höchster Gestaltreinheit und
vielleicht auch als Symbol der menschlichen Sehnsucht nach Ausgeglichenheit
und Frieden..."
Diese 1974 auf der Eröffnungsrede in Villingen vom Autor geäußerten
Überlegungen lassen sich ohne Schwierigkeiten auf die zwischen 1985
und heute entstandenen Bilder von Kunibert Fritz übertragen.
Die Wechselbeziehung zwischen Bildwirklichkeit und Bildwirkung bezieht
sich bei Fritz Arbeiten - im Gegensatz zu Albers Quadrat-Huldigungen -
in allererster Linie auf die Form. Zwar benutzt Fritz auch Farben - Gelb,
Rot, Blau, Weiß und Schwarz - doch die Form, das Quadrat als Phänomen
der Täuschung (im Sinne bildnerischer Mitrealität) steht im Mittelpunkt
des optischen Geschehens.
Diese Irritationen entstehen dadurch, daß gemalte Flächen innere Bestandteile
der nicht geschlossenen Quadratform oder äußere Begrenzungsformen sein
können. Außerdem spielt das Verhältnis von Figur und Grund eine wesentliche
Rolle.
Zwei Prinzipien ist Kunibert Fritz treu geblieben außer der bereits erwähnten
Beziehung zwischen Bildwirklichkeit und -wirkung:
dem jeden Entwurf zugrunde liegenden Raster und der Reihung im Sinne der
Addition von Bildprototypen zu neuen Bildtafelkombinationen. Dem Formenprinzip
Fritzscher Bildrecherchen entspricht auch die von ihm formulierte Feststellung,
daß Farbe nie illustrativ, sondern stets funktional eingesetzt wird. So
können zum Beispiel Farbintensität und Farbhelligkeit, aber auch der Farbton
strukturell festgelegte Symmetrien aufheben oder stören.
Reihungen repräsentieren Beziehungen, sie sind Anzeichen für Ursache und
Wirkung. Fritz sieht in diesem Prinzip Anmutungsqualitäten, indem er sagt:
"Bei der Reihung entsteht Takt, durch das gleichmäßige Wiederholen einer
Form oder Farbe. Der möglicherweise unregelmäßige Wechsel der Farben der
aneinandergereihten Bildtafeln verursacht Rhythmus und dieser kann zu
einem Klang oder auch zu einer Melodie führen ..."
Wenn Bilder als Träger von Zeichen gesehen werden, so haben auch
konstruktive Bilder ihre über reine Wiedergabe von Form und Ästhetik
hinausgehende Bedeutung. Ihre Aussage ist die geistige Idee des Künstlers,
ist die Darstellung von Ordnung durch die Form, durch die Farbe und durch
die Zuordnung der (Quasi-) -Quadrate zueinander in dem Sinne, daß
das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
Konstruktive Bilder sind ästhetische Modelle, sind meta-bildliche Aussagen
analog zur Natur. Ordnungsprinzipien der Natur werden makroskopisch sichtbar
und im Sinne einer intensiveren Veranschaulichung auf das Wesentliche
abstrahiert. Das führt weg von der Darstellung des spezifischen und öffnet
das Interesse für das Allgemeine, für das Sinnbildliche.
Das Quadrat verdankt seinen Aufbau der Symmetrie, die in höchst mannigfaltigen
Varianten den Organismus unserer Welt widerspiegelt. Diese stabilste geometrische
Form bildet vier gleiche Seiten und vier gleiche Winkel. Die Zahl vier
symbolisiert unser Leben, unsere Zeit, unsere Welt. Vier Wochen umfassen
einen Monat, vier Jahreszeitenbeziehen sich auf ein Jahr, wir leben in
vier Himmelsrichtungen und vier Winde bestimmen unser Wetter. Unser räumliches
Denken bezieht sich auf vier Dimensionen und wir erfassen Bilder unter
vier Aspekten:
Komposition, Ästhetik, Inhalt und Technik.
Kunibert Fritz ist dem Quadrat treu geblieben.
Seine Aussage ist immer wieder überraschend und neu.
Das Neue verwirklicht sich im Alten.
Kunst ist Entdeckung.
1991
Klaus Staudt
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