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texte von:
hans peter riese
jürgen trabant
eugen gomringer
klaus staudt
peter staechelin
kunibert fritz
kunibert fritz entwicklung
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system, wahrnehmung und stille
auf den ersten blick scheinen die verschiedenen, zeitlich aufeinanderfolgenden
werkgruppen im oeuvre von kunibert fritz sehr unterschiedlich zu sein,
bei genauerem hinsehen erweist sich jedoch schnell die innere kontinuität
seines werkes. so bleibt es immer im weiten rahmen der systematisch-konstruktiven
kunst, und seit vielen jahren ist es gekennzeichnet durch die dominanz
von nur einer geometrischen elementarform, der des quadrats.
in seinen rasterbildern, die zwischen 1965 und 1970 entstanden sind, ist
das quadrat meist einziges element in regulären seriellen anordnungen
mit systematischen veränderungen, etwa durch drehung des elements quadrat
um 45¡ um seinen mittelpunkt. wahrnehmungsvorgänge kommen hier bereits
zum tragen, das auge addiert die gleich gerichteten kleinen quadrate zu
größeren superzeichen.
in einer späteren werkgruppe reduziert er die anzahl der vielen quadratelemente
auf vier. sie sind in ein regelmäßiges, randparalleles quadratgitter von
5 x 5 (oder 4 x 4 ) feldern eingefügt. auch hier ist das bildformat quadratisch.
die farben sind reduziert auf schwarz und weiß, die vier quadrate sind
auf unterschiedliche weise definiert: durch umrißlinien, als flächen oder
durch verschiedenen glanz der oberflächen. scheinbare oder tatsächliche
größenabweichungen irritieren die wahrnehmung, gleichzeitig werden die
bildtafeln reduzierter und stiller. die meisten dieser aspekte kennzeichnen
auch die neueren arbeiten. das quadrat bleibt zentrales element, seine
wahrnehmung wird zum eigentlichen bildinhalt. die "versuchsanordnungen",
wenn man das so nennen mag, die fritz dafür findet, sind von bestechender
einfachheit. er entwickelt dazu prototypen, wie er es nennt, reduziert
und in schwarz-weiß, die er dann systematischen veränderungen unterwirft.
es entstehen so reihen von bildtafeln, die er je nach der räumlichen situation
zu einem ganzen fügt oder auch einzeln ausstellt. auf den bildern sind
jeweils quadrate zu sehen, die er auch hier unterschiedlich definiert:
als fläche, als umrißlinie, durch die senkrechten kanten oder durch eckpunkte.
der ausdruck verändert sich dadurch stark. eine weitere ausdrucksmodifikation
entsteht durch den einsatz der primärfarben gelb, rot und blau, die häufig
asynchron zu den formalen systemen gesetzt sind. die farben haben zunächst
die funktion, die teile voneinander zu unterscheiden, wirken jedoch auch
durch ihren farbcharakter auf den betrachter. die betrachterin, der betrachter
sind in starkem maß gefordert, sie müssen sich intensiv auf den wahrnehmungsprozess
einlassen, auf die irritationen und unsicherheiten, die sich einstellen,
damit wird unser wahrnehmungsvermögen an sich zum gegenstand des bewußtseins.
dann erschließt sich auch eine weitere ebene der bildtafeln von kunibert
fritz, die in widerspruch zu den wahrnehmungsirritationen zu stehen scheint:
es ist die meditative stille, die die tafeln ausstrahlen. sie werden zu
notwendigen ruhezonen im chaos der uns umgebenden welt.
freiburg, im november 1993
peter staechelin
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