Vergleichbar mit der musikalischen Bearbeitung eines „Remixes“ hat Kunibert Fritz gemeinsam mit seinem Sohn J.D. Fritz herausragende Bilder bzw. „Untersuchungsreihen“ seines Schaffens neu formuliert. Dabei wurden sie auf technischer, formaler, und inhaltlicher Ebene aktualisiert. Das Material, die Größe oder die Strukturen wurden verändert. Techniken wie Digitaldruck, 3D-Animation und Film kommen zum Einsatz, teilweise werden Bilder miteinander kombiniert und neue gesellschaftliche, philosophische und naturwissenschaftliche Fragen gestellt. Diese Vorgehensweise könnte als „Rework“ beschrieben werden. Das Werk „Zentrale Durchdringung“ bezieht sich auf eine Reihe von Bildern, die in den 1960er Jahren entstanden sind.

 

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Fragestellungen sind beispielsweise: wie wird der Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit erfahrbar. Sind Subjekt und Objekt miteinander verbunden? Wirkt Wirklichkeit gar mehr als dass sie materiell, in Form einer dinghaften Wirklichkeit, sichtbar ist? Diese und weitere Fragen werden anhand einer einzigen geometrischen Form, dem Quadrat, erörtert.

Wenn wir davon ausgehen, dass die bildende Kunst, wie die Musik, ein direkter Austausch von Information und Emotion ist, dann hat die konstruktive Kunst im Besonderen die Fähigkeit, dies in einer speziellen, abstrakten Weise zu verschlüsseln.

Im konkreten Projekt „Zentrale Durchdringung“ geht es darum, die Rezeption des Bildes in Raum und Zeit zu erweitern sowie darzustellen, dass Realität immer subjektiv ist. Wirklichkeit ist dagegen im Kern eine Idee, also Schwingungsinformation. Um uns einer höheren Wirklichkeitsebene anzunähern, die Realität sozusagen zu durchdringen, müssen wir uns in einen meditativen Zustand begeben. Zu dem Projekt ist ein Film entstanden, der dies sehr kontemplativ thematisiert und durch vier neue „Zentrale Durchdringungs“-Bilder ergänzt wird.

Den Gedanken, durch eine Harmonie der Bildsprache, die einer universellen Idee gleichkommt, eine Synthese von Geist und Materie zu bewirken, hat Piet Mondrian in seinen kunsttheoretischen Schriften formuliert. Er war immer ein großes Vorbild für Kunibert Fritz.

Die Struktur der bildnerischen Arbeiten von Kunibert Fritz besteht grundsätzlich aus dem Aufzeigen von Gegensätzen, die zu einem Ausgleich kommen sollen, also das, was man Gleichgewicht nennt.

Dabei dient das Quadrat als Elementarteilchen. Heute wird Materie in Computerprognosen wie ein Punkt berechnet. Also eine Beschreibung dessen, was ist, auf Basis eines Koordinatensystems. Diesem bleibt Kunibert Fritz bis heute treu, als hätte er schon immer geahnt, dass das Universum im Innern auf einem Quadratraster beruht.

Kunibert Fritz gibt dazu keine Erklärung ab. Der Künstler verweist lediglich auf ein Buch, das ich schon immer in seiner Nähe wahrgenommen habe. „Die Bahn und der rechte Weg des LAO-TSE“ (Der chinesischen Urschrift nachgedacht von Alexander Ular, Insel Verlag 1912)

 

Darin lautet der erste Spruch:

 

„Die Bahn der Bahnen ist nicht die Alltagsbahn;

Der Name der Namen ist nicht der Alltagsname.

Unnambarkeit ist das Wesen des Allüberall;

Nambarkeit ist Werden des Einzelnen.

                                   Jedoch: klar siehet, wer von ferne sieht,

                                   und nebelhaft, wer Anteil nimmt.

Diese Grundwesenheit, zwiefältig ist Eins,

                                   in der Erscheinung nur, zwiefacher Gegensatz.

Sie ist das Unergründliche,

                                   das unergründliche Gründliche,

                                  Das Tor zum letzten Geheimnis.“

Videoinstallation: "Zentrale Durchdringung Inside the white cube X ; Kunibert Fritz 2021

Idee, Realisation: Jan Daniel Fritz; 3D Design: Tilly Hensellek (raumevent.de)

Musik: Inner Lotus Music;